Wilhelm Trübner

Wilhelm Trübner (Heidelberg 1851 - 1917 Karlsruhe)

 Selbstbildnis als Dragoner mit Palette, 1875

Öl auf Leinwand, 54,3 x 45 cm
Signiert, datiert und bezeichnet unten rechts W. Trübner. 1875. / Carlsruhe.
und 'W. Trübner München' auf dem Spannrahmen

Provenienz:
Im Besitz des Künstlers
Gemälde-Nachlassversteigerung Wilhelm Trübner, 1918, Nr. 22, Abb. Tafel 13 (für Trübners Sohn Jörg, ersteigert durch dessen Vormund Schwörer)[1] Jörg Trübner
Leihgabe an die Karlsruher Kunsthalle
Sammlung Mr. und Mrs. Henry Trubner[2], Bellevue/Washington, USA
Christie’s, London, Auktion German & Austrian Art, 09. Oktober 1996, Lot 13
Österreichische Privatsammlung

Ausstellung:
Wilhelm Trübner, Karlsruhe 1911, Nr. 31 mit Abb.
Wilhelm Trübner (1851-1917), München, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Heidelberg, Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg, 1994/1995, S. 134-35, Nr. 28, mit Abb.

Literatur:
Zeitschrift für bildende Kunst, 12, 1901, S. 279, Abb. S. 276
Hans Rosenhagen, Die Kunst für alle, 17, 1902, S. 363
Hans Rosenhagen, Velhagen und Klasings Monatshefte, 18, I, 1903, S. 409
Hans Rosenhagen, Die Kunst unserer Zeit, 17, 1906, Abb. S. 149, S. 157
Georg Fuchs, Wilhelm Trübner und sein Werk, München und Leipzig 1908, S. 101, Nr. 50 mit Abb.
Hans Rosenhagen, Wilhelm Trübner, Bielefeld/Leipzig 1909, S. 28, Abb. 25, S. 39
Josef August Beringer, Trübner: des Meisters Gemälde in 450 Abbildungen, Stuttgart und Berlin 1917, S. 67 mit Abb.
Kunst und Künstler 18, 1919/20, Abb. S. 498
Josef August Beringer, Trübner: Eine Auswahl aus dem Lebenswerk des Meisters in 101 Abbildungen, Stuttgart und Berlin 1921, S. 27 mit Abb.
Mechthild Frick, Wilhelm Trübner - Untersuchung zur Krise des deutschen Realismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Diplomarbeit, Humboldtuniversität Berlin 1963, S. 17
Klaus Rohrandt, Wilhelm Trübner (1851-1917): kritischer und beschreibender Katalog sämtlicher Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik; Biographie und Studien zum Werk, Kiel 1972, Bd. 2, Teil 1, S. 142-143, Nr. G212
F. von Boetticher, Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts, Hofheim am Taunus 1974, Bd. 2.2, S. 902, Nr. 21.

 

Wir danken Dr. Roland Dorn, Wiesbaden, für seine Recherchen zu diesem Gemälde.

 

Im Oktober 1874 meldete sich der junge Maler Wilhelm Trübner in Karlsruhe als Einjährig-Freiwilliger zum Militärdienst. Erst danach schloss er sich dem Leibl-Kreis an und nahm seinen Wohnsitz endgültig in München. Begeistert vom Ausbruch des 1870er Krieges gegen Frankreich hatte Trübner, wie so viele seiner Zeitgenossen bereits zu Kriegsbeginn auf seine Einberufung gehofft. Sein großes Interesse am Militär spiegelt das Selbstportrait des 24jährigen Malers wieder.[3]

Es ist das einzige einer stattlichen Zahl von Selbstportraits auf dem er sich in Uniform und gleichzeitig mit Pinsel und Palette in Szene setzt.[4] Trübner trägt die Uniform der badischen schwarzen Dragoner, in deren Dienst er als Einjährig-Freiwilliger ins 3. Regiment Nr. 22 eingetreten war. Er steht etwas steif und ungelenk in dem zu großen blauen Uniformrock mit den auffallenden roten Kantenpaspeln und den glänzenden Knöpfen und in den ebenfalls etwas großen ausgetretenen Stiefeln, die wunderbar mit dem gänzlich in Brauntönen gehaltenen Hintergrund kontrastieren. Wand und Fußboden verschmelzen zu einer Einheit. Nur der runde Tisch mit dem schweren floral gemusterten Überwurf verleiht dem Raum Tiefe. Aus der Mitte des Bildes blickt der Maler den Betrachter direkt und selbstbewusst an. Die rote Paspel spiegelt sich in der Politur der Unterseite seiner Palette. Nicht ohne Humor zeigt Trübner dem Betrachter seine Pinsel, an denen noch die Farben des eben vollendeten Uniformrockes, Rot und Blau, haften. Auffällig ist das vergrößert wirkende, bohrende, rechte Auge. Es findet sich nicht nur in anderen Selbstportraits Trübners, sondern auch in Selbstporträts anderer Künstler seiner Generation, beispielsweise bei Max Liebermann. Dies ist sicherlich nicht nur als Hinweis auf das zentrale Sinnesorgan des Malers, wie manche Kunsthistoriker meinen, sondern vielleicht auch nur die Folge der für das Selbstporträt notwendigen genauen Eigenbeobachtung im Spiegel bei der das linke Auge zugekniffen und das konzentrierte rechte Auge weit geöffnet ist.

Anselm Feuerbach war maßgeblich daran beteiligt, dass Trübner nicht die Goldschmiedewerkstatt seines Vaters übernahm, stattdessen 1867 das Studium der Malerei an der Karksruher Akademie anfing. Bereits ein Jahr später wechselte Trübner nach München, wo er um 1870 zum Kreis um Wilhelm Leibl stieß und die Akademie verließ. Er arbeitete kurze Zeit mit Carl Schuch, Albert Lang und Wilhelm Hinrich und anschließend mit Hans Thoma in Ateliergemeinschaft. In den darauffolgenden Jahren erfolgten Reisen nach Italien, Belgien und Holland zusammen mit Schuch. 1875 ließ er sich endgültig in München nieder. 1894 wurde er durch seine Kontakte zu Lovis Corinth, Max Slevogt und Max Liebermann Mitglied der Münchner Secession, verläßt diese jedoch bereits im Folgejahr, um Mitglied der „Freien Vereinigung München“ zu werden. 1896 wurde Trübner Lehrer am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt. 1903 bis 1917 war er Professor, 1904 bis 1910 Direktor der Karlsruher Akademie.[5]


[1] Vgl. Kunst und Künstler, 16, 1917/18, S. 407f.

[2] Wilhelm Trübners Enkel Heinz (1920-1999), der sich später Henry Trubner nannte, war wie sein Vater Jörg ebenfalls Kunsthistoriker, und Kurator für Orientalische Kunst am Los Angeles County Museum of Art, USA, dann am Royal Ontario Museum, Toronto, Kanada und schließlich Kurator für Asiatische Kunst am Seattle Art Museum (1968-1987). Vgl. Thomas Lawton ‚Henry Trubner’, in Artibus Asiae, 59, 1999, 1/2, S. 135-137.

[3] Von diesem Gemälde ist die formatgrößere Variante G 213 bekannt, wohl im Bezirksamt Schöneberg, Berlin. Weitere Selbstbildnisse mit militärischem Hintergrund haben sich erhalten. Ebenfalls als Dragoner 1874/1875 stellte er sich in den folgenden Portraits dar: Vgl. Rohrandt 1974, op. cit.:

G 211: Selbstbildnis als „Einjährig-Freiwilliger“, 1874/75, Öl auf Leinwand, 102,5 x 83 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum, Inv. Nr. 1140.

G 213: Selbstbildnis als Dragoner Einjähriger mit Palette II, 1875, Öl auf Leinwand, 102 x 83,5 cm, Bezirksamt Schöneberg, Berlin.

G 214 Selbstbildnis als Dragoner Einjähriger (mit Mütze), 1875, Öl auf Leinwand, 53 x 43,5 cm, Verbleib unbekannt.

G 215 Selbstbildnis als Dragoner Einjähriger mit Helm und Kartusche, 1875, Öl auf Leinwand, 59 x 44 cm, Heidelberg, Kurpfälzisches Museum, Inv. Nr. G 2564.

[4] Vgl. Wilhelm Trübner (1851-1917), Kat Ausst. München, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Heidelberg, Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg, München 1994/1995, S. 23.

[5] Vgl. Rohrandt 1974, op. cit., S. 21-41.

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